Interview mit der Webseite www.verschwoerungen-von-illuminaten-bis-wtc.de

Welche Geschichtsepoche interessiert dich am meisten?
Ich interessiere mich grundsätzlich für Geschichte, schon seit der Schulzeit. Mein Interesse hat ungefähr in den letzten zehn, fünfzehn Jahren eine Intensivierung erfahren, weil ich besser verstehen wollte, "was bisher geschah" um besser zu verstehen, wo wir heute stehen und warum. Besonders interessiert mich die Geschichte der letzten drei, vier Jahrhunderte, weil in diesem Zeitraum sowohl politisch und gesellschaftlich wie auch wissenschaftlich die wichtigsten Voraussetzungen für den Status Quo geschaffen wurden. Das ist natürlich eine Binsenweisheit, aber eine, an der man nicht vorbeikommt. Die höchste Verdichtung an historischen Erkenntnissen betrifft natürlich das 19. und 20. Jahrhundert - einerseits weil in aus Zeitraum systematische schriftliche Aufzeichnungen vorhanden sind, wie sie es vorher nicht waren, andererseits wegen der im 20. Jahrhundert einsetzenden auditiven und visuellen Aufzeichnungen. Die Gründung der USA und der damit einsetzende Entwicklungsschub spielen dabei wohl eine dominierende Rolle.

Was verstehst du unter den "Abgründen der Politik"?
Die "DC Madame", eine Managerin von Escort Girls für die gehobene Klientel in Washington DC wird erhängt im Haus ihrer Mutter gefunden, kurz nachdem sie angekündigt hat ein Buch über ihre Arbeit zu schreiben. Die Polizei entscheidet auf Selbstmord. (Upate, 21. April 2009: According to a sealed FBI autopsy report maintained at the FBI forensics crime laboratory in Quantico, Virginia, FBI investigators concluded that Palfrey was assaulted from behind at or near her mother's house in the Sun Valley Mobile Home Park in Tarpon Springs, Florida and her murder by hanging was made to appear as a suicide. Quelle: Wayne Madsen Report.) Uwe Barschel begeht im Hotel Beau Rivage angeblich Selbstmord, in einem Zustand, in dem er laut toxikologischen Gutachten gar nicht mehr bei Bewusstsein - aber noch nicht tot - war. Trinkfreudige Muslime werden uns als islamische Extremisten verkauft, die gleichzeitig angeblich hochbegabte Piloten waren, die einen Niki Lauda vor Neid erblassen lassen. Der Pass von Satam al-Suqami, dem Piloten des zweiten Flugzeugs, das in das WTC einschlug, wird praktisch unversehrt in den Strassen des Financial District gefunden. Der russische Geheimdienst bringt einen Ex-KGB-Agenten in London auf eine geradezu grotesk aufwendige Art um und legt dabei - laut einem deutschen Ermittler - eine wahnwitzige "Autobahn an Spuren" nach Moskau. Der georgische Präsident wird 2004 mit 96% der Stimmen gewählt. Das sind nur einige Beispiele von wilden Geschichten, die uns unsere nominell freien westlichen Medien erzählen, ohne dabei zu stottern oder wenigsten rot zu werden. Wobei es in anderen Teilen der Welt natürlich noch viel schlimmer zugeht, was aber keine Entschuldigung ist. Dass Chefredakteure dem Gruppendruck erliegen ist bis zu einem gewissen Grad zwar menschlich, sich unter diesen Umständen aber als vierte Macht im Staat aufzuspielen ist pathetisch.

Bei der DC Madame, Barschel, den Attentätern vom 11. September kann man den Eindruck bekommen, dass da "etwas nicht passt". Soweit so gut. Aber wie erklärt man sich das - falls überhaupt? Ich habe manchmal den Eindruck, nicht wirklich weiter zu sein, wenn ich dann lese, Geheimdienst XY habe da seine Finger im Spiel. Kennst du diese Skepsis und wenn ja, wie gehst du damit um?
Oh ja, die Skepsis kenne ich gut, und ich bin froh darüber! Denn man ist allzu leicht versucht, Antworten zu geben, wo man es de facto nicht kann. Weil es einfacher ist, zu entscheiden es sei so und so gewesen, als sich mit den ewigen Fragezeichen abzufinden. Aber das ist natürlich nicht realistisch. Denn so beginnt man sich eine virtuelle Welt aufzubauen, wo alles schön zusammenpasst, und nicht ist was nicht sein darf. Ich achte sehr darauf, diese Entwicklung bei mir nicht zuzulassen. Wie ich damit umgehe? Nehmen wir als Beispiel den 11. September. Ich bin vollkommen sicher, dass wir nur einen kleinen Teil der Wahrheit kennen. Das kleine Einmaleins der kritischen Punkte ist hinlänglich bekannt. Die Sache mit American 77 und dem Pentagon, der Einsturz von WTC7, usw. Wo es für mich aber bereits nicht stimmt ist sozusagen die Ausgangslage, nach der offiziellen Theorie: Versetzen wir uns in die Lage eines Terror-Masterminds, Bin Laden, Kalid Sheikh Mohammed, wer auch immer. Man plant also das Attentat des Jahrhunderts. Eine ungeheure gewalttätige und gleichzeitig symbolische Aktion. Etwas, das man nur einmal probieren kann, im Gegensatz zum "Wald-und-Wiesen-Terrorismus", irgendwo eine Bombe zu platzieren. So was kann man ja wiederholen, falls es nicht klappt. Nicht so bei 9/11. Man hat also schon einige größere "Aktionen" gemacht, und jetzt kommt, gleichsam als Höhepunkt der Terror-Karriere, 9/11. Nie würde man Laien, Fußgänger, nehmen, und ihnen eine Flugausbildung auf Kleinflugzeugen finanzieren und einen Simulatorkurs auf der Boeing 737-200, die übrigens ein ganz anderes Cockpit hat als die 757/767. Laut Bericht der 9/11-Kommission hielten die 737-Instruktoren Hani Hanjour, angeblich Pilot des Jets der ins Pentagon gekracht sein soll, für "sub-standard" und rieten ihm im März 2001 die Ausbildung abzubrechen. Sondern man hätte sich, denke ich, umgesehen nach ehemaligen Militärpiloten die religiös oder politisch extrem genug sind, um ihr eigenes Leben bei der Ausführung des Attentats zu verwirken. Professioneller Kamikaze. Piloten mit ein paar Tausend Stunden Flugerfahrung. Dann hätte man die Gewissheit gehabt, dass dort in den entscheidenden 45 Minuten Leute im Cockpit sitzen, die wissen, was es bedeutet, sich mit 800 km/h durch den dreidimensionalen Raum zu bewegen. Es geht ja nicht nur um die letzten paar hundert Meter Flugstrecke vor dem World Trade Center. Es ist ja schon frappant wie einfach es offenbar ist - glaubt man der offiziellen Version und den Medien - eine 767 zu fliegen. "Einfach" ist es aber nur für Menschen, die den entsprechenden Hintergrund haben. Atta & Co hatten ihn meiner Meinung nach definitiv nicht! Sie wären meiner Überzeugung nach völlig überfordert gewesen. Ich selbst hatte ja mal die Berufspilotenlizenz, Instrumentenfluglizenz, Berechtigung für mehrmotorige Flugzeuge. Ich weiß, wie viel Ausbildung und Erfahrung ich noch gebraucht hätte, um eine 767 mit der schlafwandlerischen Sicherheit fliegen zu können, wie wir das am 11. September beobachtet haben. Deshalb halte ich persönlich die offizielle Erklärung für ein Märchen auf Mickey-Mouse-Niveau. Ich bin mir aber auch bewusst, dass es Piloten gibt, welche die offizielle Erklärung für plausibel halten. Um auf Deine Frage zurückzukommen, wie gehe ich damit um: Ich habe mich selbst darauf "konditioniert", mich damit abzufinden, nur zu wissen, dass es so nicht sein kann, ohne eine Antwort zu haben, wie es wirklich war. Hat man der Regierung Bush den Vorwand für die New-American-Century-Politik auf dem Silbertablett serviert, ohne dass irgendjemand in der Regierung ahnte, was passieren würde? Wurde gemunkelt in den Korridoren der Macht in den Tagen vor 9/11 "Du, da ist was im Busch, eine ganz große Sache"? Waren Menschen, die wir aus dem TV kennen, sogar aktiv beteiligt? Stimmt es, was der ehemalige italienische Präsident Cossiga in einem Interview mit Corriere della Sera gesagt hat, nämlich dass jeder in den westlichen Regierungen wisse, dass kriminelle Fraktionen von CIA und Mossad die Finger im Spiel hatten? Ich weiß es nicht! Und was ist mit den Saudis? Und dem pakistanischen Geheimdienst? Ich weiß es nicht! Ich weis nur, dass es sich nicht so zugetragen haben kann, wie man uns das erzählt. Und erstaunlicherweise kann ich gut damit Leben. Obwohl ich finde, dass man ständig rütteln muss an dieser Lüge. 9/11 ist schlicht too much! Es ist mir wichtig, jetzt zwei Sachen klarzustellen: Erstens bin ich ein großer Fan der USA, aus einer ganzen Reihe von Gründen, u.a. weil es nur den USA bzw. der Regierung Franklin Roosevelt zu verdanken ist, dass der Nazi-Horror in Europa beendet werden konnte. Zweitens gibt es auch eine ganze Reihe von amerikanischen Linien- und Militärpiloten - sicher auch keine Anti-Amerikaner -, die die offizielle 9/11-Geschichte nicht glauben. Sie haben sich in einem losen Netzwerk zusammengeschlossen, den Pilots for 9/11 Truth.

Weil du Roosevelt erwähnst: Es gibt Leute die behaupten, auch Pearl Harbour - das während der Amtszeit Roosevelts passierte - sei für die US-Regierung ganz und gar nicht überraschend gekommen.
Möglich.

Trotzdem gehört für dich Roosevelt zu den "Guten"?
Ja, mehrheitlich schon.

Das musst Du mir erklären.
Ich bin überzeugt, und ich denke das ist keine sehr gewagte These, dass die Achsenmächte den Krieg gewonnen hätten, wenn nicht die USA in den Zweiten Weltkrieg eingegriffen hätten, zuerst mit dem Lend-Lease-Verfahren, also der massiven Lieferung von Kriegsmaterial an Briten, Sowjets, Chinesen und andere Länder, die gegen Nazis und Japaner kämpften, und dann durch den direkten Eintritt in den Krieg nach Pearl Harbour. Vor Pearl Harbour war ein Kriegseintritt nicht möglich, weil Roosevelt dafür nicht den notwendigen Rückhalt in der Bevölkerung gehabt hätte. Angenommen, Pearl Harbour sei absichtlich nicht verhindert worden, um die Stimmung zu schaffen, die einen Kriegseintritt ermöglicht, dann stellt sich eine geradezu ungeheuerliche Frage, nämlich: Ist Pearl Harbour ein zu großer Preis für den Sieg über den Nationalsozialismus oder nicht? Dies sollte sich jeder Europäer durch den Kopf gehen lassen, wenn er in den USA sozusagen das nationalisierte Böse zu erkennen glaubt. "Es ist halt alles so kompliziert", wie der kürzlich verstorbene österreichische Bundeskanzler Sinowatz einmal so treffend formuliert hat.

Und was hältst Du dann von George W. Bush?
Ich bin ja kein Spezialist was die dreiundvierzig US-Präsidenten betrifft, aber ich denke er ist wohl der schlechteste Präsident in der Geschichte der USA.

Es ist zwar rund 4 Jahre her, das du mit Excess begonnen hast - dennoch: wie erinnerst du dich an den Beginn von EXCESS? Wie kamst du zu dem Entschluss, den Thriller zu schreiben? Du standest vermutlich nicht morgens auf und dann fällt dir ein, Ah ich schreibe einen Verschwörungsroman! Oder doch?
Fast! Die Arbeit an EXCESS hat mit der Idee eines gesellschaftspolitischen Experiments begonnen - soviel kann ich sagen, ohne die Spannung zu verderben - das in einer Kleinstadt in den USA durchgeführt wird. In den ersten zwei Monaten, nachdem ich mit dem ersten Manuskript begonnen habe, ist dann der größte Teil des Plots entstanden. Der Rest kam bei der Arbeit am zweiten Manuskript und seinen Überarbeitungen dazu. Ich würde EXCESS nicht als "Verschwörungsroman" bezeichnen, sondern als geopolitischen Krimi. Die Idee zum Experiment, dem Kern des Buchs, kam tatsächlich über mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Ich hatte damals natürlich nicht die geringste Ahnung, worauf ich mich eingelassen habe. Wenn man es ernst meint mit der Schreiberei ist es sehr viel Arbeit und ein teilweise bitterer Lernprozess. Aber es ist auch sehr befriedigend. Man muss allerdings den unbedingten Willen habe, dran zu bleiben. Sonst wird es nix. Zum Glück habe ich relativ schnell gemerkt, dass Schreiben ein Handwerk ist. Und wie jedes Handwerk muss man auch Schreiben lernen.

Wie hast du dieses Handwerk gelernt?
Nachdem ich das erste Manuskript geschrieben hatte, war ich sehr unzufrieden damit. Ich wollte es überarbeiten, bin aber nicht weiter gekommen. Als ersten Schritt habe ich mir ein paar Bücher über das Schreiben gekauft und festgestellt, dass die Liste meiner Anfängerfehler länger war als das Manuskript selbst! Was war ich doch naiv! Dann habe ich eine Lektorin gesucht. Ich hatte das große Glück, eine ebenso erfahrene wie fordernde Lektorin zu finden. Mit sparsamem Lob und viel konstruktiver Kritik hat sich mich herausgefordert, manchmal geradezu provoziert, mich mehr anzustrengen, noch mehr an jedem Satz und jeder Formulierung zu feilen, ebenso wie an den Proportionen des ganzen Manuskripts und an vielen anderen Details. Was dabei herausgekommen ist, müssen aber letztendlich die Leser beurteilen. Ich weiß nur, dass ich einen Lernprozess durchgemacht habe, aber, wie jeder Autor, immer noch lernend bin. Und, wie viele Erstlingsautoren, auf Verlagssuche!

Du hast dich sicher mit einigen Verschwörungstheorien beschäftigt? Welche interessieren dich besonders und warum?
Ich habe mit dem Begriff "Verschwörungstheorie" Probleme. Verschwörungen, auch politische Verschwörungen, sind Teil des menschlichen Zusammenlebens, und damit auch Teil der Geschichte und der Geschichtsschreibung. Erst in den letzten fünfzig Jahren, wohl seit der Ermordung Kennedys, ist auf der einen Seite eine verschwörungstheoretische Kultur von dem Ausmaß, wie wir es heute kennen, entstanden, auf der anderen Seite die mediale Technik, das Wort "Verschwörungstheorie" anzuwenden, um bestimmte zeitgeschichtliche Interpretationen als unseriös oder inakzeptabel zu brandmarken. Ich denke diese Einstellung, die wir aus den Massenmedien aber leider auch aus dem akademischen Raum kennen, ist vollommen wirklichkeitsfremd. Wobei es natürlich auch wilde und abwegige Verschwörungstheorien gibt. Wer behauptet, Hitler lebe auf der Rückseite des Mondes, liefert den Beschwichtigern in den Massenmedien natürlich bestes rhetorisches Kanonenfutter. Aber ich denke, das Problem ist ein ganz anderes. Für die meisten politischen Vorgänge sind Verschwörungen schlicht und ergreifend überflüssig, zumindest wenn der Zug einmal in Fahrt gekommen ist. Ein Beispiel: In ihrem Buch "Statecraft" beschreibt Margaret Thatcher, wie sie die These des menschengemachten Klimawandels - die damals noch sehr obskur war - politisch initiiert und instrumentalisiert hat. Es ging ihr darum, ein Argument gegen die Energieproduktion durch Kohle zu haben, weil sie sich mit den Gewerkschaften im Kriegszustand befand. In der Zwischenzeit ist das ganze natürlich keine Verschwörung mehr, sondern jeder Journalist, jeder Chefredakteur, jeder Politiker weiß, welche Sätze man sagen muss, um beim Publikum gut anzukommen. Es ist ein Selbstläufer geworden. Eine Frage auch der sozialen Akzeptanz. Man gehört zu den "Guten", wenn man ganz besorgt ist über die Klimaveränderung, selbst wenn man diese Sorgen auf dem Billigflug nach New York äußert, um dort übers Wochenende shoppen zu gehen. Übrigens: Inzwischen bereut Thatcher es und sagt, der Klimawandel werde heute instrumentalisiert, um einen globalen supranationalen Sozialismus zu schaffen. Oder flapsig gesagt: eine Weltregierung.

Gibt es eine Weltverschwörung?
Sicher nicht in dem Sinne, wie es das Wort impliziert, also eine abgeschottete Gruppe, die die wesentlichen Ereignisse zentral und von hinter den Kulissen steuert. Ich denke, es gibt verschiedene Lobbies, die versuchen, ihren Einfluss auf die Politik stetig auszuweiten, wobei diese sich wohl auch untereinander ins Gehege kommen. Es ist aber wohl in erster Linie die charakterliche und intellektuelle Schwäche vieler Politiker, die den Erfolg dieser Lobbies erst möglich macht. Zu wenige der politischen Entscheidungsträger sind gewillt, das Ende ihrer Karriere - oder Schlimmeres - in Kauf zu nehmen, und für ihre Überzeugungen zu kämpfen. Man verschanzt sich lieber hinter den Experten und dem gesellschaftlichen Mainstream.

Warum ein Roman und kein Aufklärungsbuch aka Sachbuch?
Nach dem 11. September erschien eine ganze Batterie von tatsächlichen oder vermeintlichen Sachbüchern auf den Markt mit Themen, die mich schon lange beschäftigt haben. Um nur ein Beispiel zu nennen: Dass der Großvater des jetzigen US-Präsidenten in die Finanzierung der deutschen Nazis involviert war, wusste vor dem 11. September so gut wie niemand. Heute gehört das zum kleinen Einmaleins. Insofern war es für mich nicht mehr besonders interessant, diese Themen abzuhandeln. Die Romanform erlaubt außerdem - im Gegensatz zum Sachbuch - die Erschaffung einer eigenen Welt. Nur im Roman ist es möglich, jemanden ins Oval Office zu schicken, über den man sich nicht den ganzen Tag aufregen muss.

Danke für das Gespräch, Mathias!